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Wissenschaftliche Arbeiten mit TeX als Satzsystem

Der typische Fall: Zeit seines Lebens schreibt man mit seiner Lieblings-Textverarbeitung seine Briefe, Dokumente, etc. und nie hat es Probleme gegeben. Dann kommt der Tag, an dem man dann doch mal ein etwas größeres Werk vollbringen muss (wie in meinem Fall meine Diplomarbeit) und was liegt näher als zum gewohnten Programm zu greifen.

Auf der anderen Seite - wie oft hat man schon von Kollegen gehört, die die letzten Nächten vor Abgabe ihrer Arbeit schlaflos vor ihrem Computer verbracht haben, nachdem sie "mal eben" das Inhaltsverzeichnis auf den neuesten Stand bringen wollten oder nur kurz die letzte Grafik eingefügten, bevor sich alle Seitenwechsel verschoben und die Grafik nie an der Stelle blieb, an der sie eigentlich sein sollte.

Ich wurde glücklicherweise vorher von einem Freund gewarnt und da ich eh' etwas für Rumspielerei am Computer übrig habe, war die Diplomarbeit für mich eine nette Mischung zwischen "Abschlussarbeitsstress" und Ausprobieren von neuen Sachen. Und das beste dabei - ich habe die letzten Nächte nicht durchgearbeitet, sondern es hat alles reibungslos funktioniert, trotz Inhaltsverzeichnis und Abbildungen. Wovon ich die ganze Zeit rede? Von TeX, einem Textsatzsystem. Um direkt der ersten Frage zuvor zu kommen: Ein Textsatzsystem ist ein System was sich nicht nur dem Verarbeiten von Text, sondern auch explizit um die Setzung und somit Darstellung von Text beschäftigt. Dabei ähnelt TeX eher einer "Programmiersprache" (auch wenn es in Wirklichkeit keine ist) und nicht einem klassischen Textverarbeitungsprogramm. Man könnte es ein wenig mit der Beschreibungssprache HTML vergleichen, die zur Erstellung von Internetseiten benutzt wird. Im Klartext bedeutet das, dass man nicht sofort das Ergebnis eines schriebenen Textes sieht, sondern vielmehr in einem ersten Schritt Elemente in einem formulierten Text definiert (z.B. Überschriften, Quellenangaben, etc.) und in einem zweiten Schritt das Programm diese "Beschriftungen" in ein ansehliches Produkt umwandelt.

Beispiel: Anstatt den Titel einer Seite zu schreiben und anschließend zu formatieren (z.B. Times New Roman, Fett, Schriftgröße 16), wird lediglich der Text des Titels geschrieben und anschließend mit einer Beschriftung versehen:

\section{Text des Titels}

Die endgültige Ausgabe liefert ein vergleichbares Ergebnis:

Text des Titels

Zusammenfassend lässt sich folgendes festellen:

Nachteile von TeX gegenüber einem herkömmlichen Textverarbeitungsprogramm:

  • Informationsbeschaffung und Literaturstudium über TeX (es gibt eine unglaubliche Menge an Anwendungen, die das Originalspektrum von TeX erweitern)
  • Somit bedarf es einiger Einarbeitungs- oder besser gesagt Umgewöhnungszeit
  • Man sieht das "Endprodukt" seiner Arbeit erst in einem zweiten Schritt
  • Es bedarf eines gewissen Installationsaufwands bis TeX und einige zusätzliche Programme reibungslos zusammenarbeiten. Das bedeutet nicht, dass man studierter Informatiker sein muss, um alles zum Laufen zu bekommen, aber ich möchte auch nicht behaupten, dass die Installation der ideale Einstieg für den blutigen Computerneuling wäre.

Vorteile von TeX gegenüber einem herkömmlichen Textverarbeitungsprogramm:

  • Zuverlässigkeit und Absturzsicherheit (ich hab' es noch nicht geschafft, TeX zum Abstürzen zu bewegen)
  • Das Endprodukt liegt als PDF vor, sodass das Layout auch dann unverändert bleibt, wenn das Dokument auf anderen Computern (z.B. zwecks Ausdruck) geöffnet wird.
  • Inhalts-, Tabellen- und Abbildungsverzeichnisse werden automatisch erstellt und ständig aktualisiert
  • Quellenverweise und Fußnoten werden automatisch mit der Bibliographie verbunden und ständig aktualisiert

Gerade die letzten beiden Punkte sprechen meiner Meinung nach für die Anwendung von TeX, gerade bei umfangreichen Dokumente. Ein Umstieg auf TeX für den normalen Briefverkehr oder die tägliche Korrespondenz ist zwar möglich, aber wäre vielleicht ein wenig übertrieben.

Damit einem der Umstieg möglichst leicht fällt, kann man sich die Hauptdatei meiner Diplomarbeit sowie einige Beispieldateien herunterladen. Außerdem habe ich vor eine Installationsanleitung auszuarbeiten; beides zusammen sollte den Wechsel nach TeX vereinfachen.